{"id":219,"date":"2023-04-08T20:15:21","date_gmt":"2023-04-08T18:15:21","guid":{"rendered":"https:\/\/berndschaudinnus.at\/?page_id=219"},"modified":"2023-04-08T22:04:32","modified_gmt":"2023-04-08T20:04:32","slug":"test","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/berndschaudinnus.at\/?page_id=219","title":{"rendered":"Rezensionen"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Rezension von Dr. Verena Nussbaumer<\/h1>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Rezension verfasste Dr. Verena Nussbaumer anl\u00e4sslich meiner Ausstellung \u201cBaumm\u00e4rtyrer\u201d am 5.9.2014.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ausstellung fand in Bad Sch\u00f6nau bei der alten Wehrkirche statt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">B\u00fcrgermeister Ferdinand Schwarz und Dechant Mag.Otto Piplics<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">hielten einf\u00fchrende Reden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Musikalisch betreut durch das Trio \u201cToxico\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u201e<\/strong><strong>Baumm\u00e4rtyrer\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">von Bernd Schaudinnus<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor ich das engagierte Kunstprojekt mit dem Titel \u201eBaumm\u00e4rtyrer\u201c von Bernd Schaudinnus vorstelle, m\u00f6chte ich einen anderen K\u00fcnstler in diesem Zusammenhang nennen, der ebenfalls ein Kunstprojekt mit B\u00e4umen initiiert hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Rede ist von Friedensreich Hundertwasser(1928 \u2013 2000)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er hat B\u00e4ume als Kraftspender gesch\u00e4tzt und gepflanzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei dieser Kunstaktion waren die B\u00e4ume sogenannte \u201eBaummieter\u201c, ihnen wurde mehr Respekt gezollt und entgegengebracht, als den Baumm\u00e4rtyrern von Bernd Schaudinnus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hundertwasser hat unter \u201eBaummietern\u201c B\u00e4ume verstanden, die aus dem Fenster eines Hauses wachsen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1981 wurde von Hundertwasser der erste Baummieter in Wien im 9. Bezirk, in der Alserbachstra\u00dfe 11 gepflanzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese B\u00e4ume waren Verbesserer der Stadtluft und des Wohnklimas. Sie sollten weit sichtbar sein und den Menschen zugute kommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Leider ist der erste Baummieter, eine Robinie bei den Renovierungsarbeiten gestorben. Doch es zog dort ein neuer Baummieter ein, diesmal eine Hainbuche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die \u201eBaummieter\u201c sind ein Sinnbild f\u00fcr ein Leben in Harmonie mit der Natur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um Hundertwasser in diesem Zusammenhang zu zitieren:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eKunst ist die Br\u00fccke zwischen Mensch und Natur. Kunst ist nicht die Br\u00fccke zwischen Mensch und Mensch\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bernd Schaudinnus, ist ein Holz-Bildhauer der mit der Natur in Einklang arbeitet und aus ihr seine Inspiration sch\u00f6pft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Band ist seinem Kunstprojekt \u201eBaumm\u00e4rtyrer\u201c gewidmet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 2000 entdeckte Schaudinnus den ersten Baumm\u00e4rtyrer. Seit damals sp\u00fcrte er sie auf. Er fotografiert sie und ver\u00e4ndert sie, macht sie zu Kunst-Objekten. Schaudinnus nennt sie M\u00e4rtyrer, zu M\u00e4rtyrern gemacht, wurden sie schon lange vorher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der vielseitige K\u00fcnstler schneidet in ihre Rinde ein, bearbeitet sie mit dem Schnitzwerkzeug oder fr\u00e4st in sie hinein mit einer S\u00e4ge und erg\u00e4nzt sie mit anderen Materialien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1949 wurde der Bern Schaudinnusin Illmenau in Th\u00fcringen in der ehemaligen DDR geboren<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sein erster Beruf war die Ausbildung zum Mechaniker., der er auch das feinmotorische Geschick verdankt. Bei Wilhelm Niecke hat er in Berlin ab 1976 die Holzbildhauerei gelernt und eine Lehre absolviert. Der Bezug zu Holz war in der Familie vorhanden. Der Patenonkel hatte vor der Enteignung in der ehemaligen DDR eine Holzschnitzfirma gehabt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schaudinnus erh\u00f6ht verletzte B\u00e4ume in ihrer Wertigkeit. Sie werden zu Mahnmalen f\u00fcr die Zerst\u00f6rung in der Natur, die ihm als Greenpeace-Aktivisten ein besonderes Anliegen ist. Seit 15 Jahren ist der K\u00fcnstler als Aktions-Koordinator bei Greenpeace t\u00e4tig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schaudinnus schaut nicht weg. Sondern richtet seinen Blick auf die Natura Morta, denn die meisten Baumm\u00e4rtyrer sind bereits abgestorben. Baumstr\u00fcnke, Baumst\u00e4mme, geh\u00e4utet, gesch\u00e4lt, mit oder ohne Rinde. Ihr Lebenssaft, das kostbare Harz tritt, aus den h\u00f6lzernen Wundmalen aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oft sind die Baumm\u00e4rtyrer Fundst\u00fccke, die der K\u00fcnstler in seinem Atelier weiterbearbeitet, sie dann auf einen Sockel stellt und erh\u00f6ht, ihnen Respekt und Wertsch\u00e4tzung entgegenbringt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Titelbild, \u201eDer Jesus von Tribama\u201c wurde vom K\u00fcnstler noch mit einer Dornenkrone ausgestattet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Verwunderliche ist, dass viele geschundene und verletzte B\u00e4ume bereits die Form eines Kreuzes aufweisen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Wort M\u00e4rtyrer hei\u00dft im christlichen Sinn \u201eZeuge\u201c. Gemeint sind Menschen, die f\u00fcr Ihren Glauben f\u00fcr Christus gestorben sind, die einen gewaltsamen Tod f\u00fcr ihre \u00dcberzeugung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">auf sich genommen haben<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der christlichen Religion sind M\u00e4rtyrer auch Bekenner, (Confessors), Zeugen, die unblutige Opfer auf sich genommen haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die traditionelle Darstellung von M\u00e4rtyrern ist mit einer Palme in der Hand oder mit einer Krone auf dem Kopf. Wie bei dem Baumm\u00e4rtyrer \u201eDer Jesus von Tribama\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schaudinnus stellt zu Recht die Frage, was bezeugt ein toter Baum?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die B\u00e4ume haben einen anderen Leidensweg durchgemacht, ein anderes Martyrium hinter sich als M\u00e4rtyrer , wie sie die Kirche kennt. Schaudinnus macht mit seinen Holzobjekten auf die fortschreitende Zerst\u00f6rung der Umwelt aufmerksam. Seine Kunst soll nachhaltig ein Umdenken bewirken, oder zum Nachdenken anregen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schaudinnus sagt \u00fcber sein Baumm\u00e4rtyrer-Projekt: \u201eDieses besch\u00e4ftigt sich mit der gedankenlosen Zerst\u00f6rung unserer Umwelt. Es geht um B\u00e4ume und deren Verletzungen durch den Menschen, als Beispiel f\u00fcr unseren Umgang mit dem Planeten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein Projekt besch\u00e4ftigt sich mit B\u00e4umen, die durch die Unachtsamkeit von uns Menschen leiden und sterben. Sie sind die Zeugen, die M\u00e4rtyrer unseres Unverstandes, unserer Gleichg\u00fcltigkeit. Im Gro\u00dfen und auch im Kleinen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der K\u00fcnstler erh\u00f6ht die verletzten B\u00e4ume zu skulpturalen Monumenten, die er der Natur zur\u00fcckgibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er hinterl\u00e4sst seine Handschrift und Inschrift im Geh\u00f6lz der verletzten Baumst\u00fcmpfe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein Projekt \u201cBaumm\u00e4rtyrer\u201d besch\u00e4ftigt sich mit B\u00e4umen, die durch die Unachtsamkeit von uns Menschen leiden und sterben. Sie sind Zeugen, die M\u00e4rtyrer unseres Unverstandes, unserer Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber dem Leiden der Natur. Ein M\u00e4rtyrer opfert sich f\u00fcr seine \u00dcberzeugung, er legt Zeugnis ab \u00fcber die Zerst\u00f6rung des Lebens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das f\u00fcr mich sichtbarste Zeichen eines sinnlosen und unachtsamen Umgangs mit der Natur und im Speziellen mit den B\u00e4umen, sind die mit Stacheldraht umwickelten B\u00e4ume. Dieser Stacheldraht markierte einst eine Grenze, eine Weide, ein Kriegsgebiet oder Privateigentum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Grenze ist l\u00e4ngst gefallen oder verschoben, die Stacheldr\u00e4hte in den B\u00e4umen sind geblieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schaudinnus dokumentiert als K\u00fcnstler und Fotograf. Er sammelt verletzte B\u00e4ume, macht die einzelnen Verletzungen, die ihnen gedankenlos durch N\u00e4gel, Dr\u00e4hte, Schilder angetan wurden, sichtbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So gesehen ist dieses Kunstprojekt ein interaktives. Der K\u00fcnstler versucht mit Hilfe seiner Werke die Betrachter zu sensibilisieren. Er zeigt uns auf, wie es um die Umweltzerst\u00f6rung auf unserem Planeten bestellt ist. F\u00fcr sein Kunstprojekt hat er B\u00e4ume, die einst mit der Anrede \u201eBruder Baum\u201c wertgesch\u00e4tzt wurden, ausgew\u00e4hlt. Ich frage provokant, behandelt man so seinen Bruder?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Falls Sie nicht zu den Menschen geh\u00f6ren, die mit dem Handy am Ohr in den Wald gehen und denen der Wald als eine austauschbare Kulisse dient. Umarmen sie einen Baum, f\u00fchlen sie seine Energie! Sehen Sie hin bei Ihren n\u00e4chsten Spazierg\u00e4ngen. Sie werden die Sturmsch\u00e4den oder krankhaften Ver\u00e4nderungen an den B\u00e4umen erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht finden Sie ja einen weiteren Baumm\u00e4rtyrer, dann scheuen Sie sich nicht und erz\u00e4hlen sie das Bernd Schaudinnus, dem K\u00fcnstler, der auch ein Spurensucher ist und einen verantwortungsvollen Fu\u00dfabdruck mit diesem Kunstprojekt hinterlassen wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schaudinnus macht als K\u00fcnstler die Verletzungen der B\u00e4ume sichtbar. Er sch\u00e4lt die Baumm\u00e4rtyrer aus der Rinde und unterzieht sie einer bildhauerischen Nachbearbeitung. Nach der Bearbeitung im Atelier stellt er die Objekte zur\u00fcck in die Natur, wo sie auf neue Art und Weise Kontakt zu den Menschen aufnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie werden zu einem Mahnmal gemacht, zu etwas Bedeutsamen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Einige abgebildete Exemplare der Baumm\u00e4rtyrer<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich greife die herausragende Arbeit, des Hl. Sebastian heraus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die \u00c4ste wurden bearbeitet, abgeschliffen und mit Glasst\u00e4ben erg\u00e4nzt. Den Baumm\u00e4rtyrer ist Glasst\u00e4ben wie von Pfeilen durchbohrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1973 absolvierte Bernd Schaudinnus ein Studium an der Ingenieurschule f\u00fcr technische Glasverarbeitung in Ilmenau. Diese Ausbildung bietet ihm im Zusammenhang mit der Glasbearbeitung eine perfekte Vorbildung. 1979 beginnt mit dem Studium an der Hochschule der K\u00fcnste in Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nebenberuflich arbeitete der K\u00fcnstler als Restaurator oft in Kirchen. Die Kirchenfenster beinhalten die alte Verbindung zwischen Holz und Glas.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Motiv des Hl. Sebastian, der der Schutzheilige der Soldaten, Ausgegrenzten, der Pestkranken, der Aisdkranken, der Homosexuellen ist .<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">K\u00fcnstler sind vom Sebastian-Mythos fasziniert und interpretieren ihn neu. Um einen anderen Holz-Bildhauer zu<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">nennen, der eine Skulptur des Hl. Sebastian aus Holz geschaffen hat, ist Stephan Balkenhol, geb. 1957 in Hessen, hier anzuf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDer Jesus von Tribama\u201c (Lindenholz und Stacheldraht) ist eine weitere Baumskulptur. Dieser Baumm\u00e4rtyrer hat unverkennbar die Gestalt von Christus am Kreuz. Die beiden nach oben ragenden \u00c4ste zeigen in ihrem Schmerzgestus, die Form des Kreuzes. Hier hat der K\u00fcnstler den umgekehrten Weg gew\u00e4hlt und den sonst bei den meisten Baumm\u00e4rtyrern vorhandenen Draht, hinzugef\u00fcgt und als Dornenkrone gebogen und die Skulptur erg\u00e4nzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine seltenere Ausformung eines Baumm\u00e4rtyrers ist die gro\u00dfe Esche, die einst vor der alten Wehrkirche in Bad Sch\u00f6nau stand. In sie ist ein Verkehrsschild eingewachsen. Aufmerksame B\u00fcrger haben auf diesen Zustand hingewiesen. Der B\u00fcrgermeister wollte diesen Baumm\u00e4rtyrer unbedingt in der Ausstellung zeigen, die in Erg\u00e4nzung zum vorliegenden Katalog, gezeigt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Baum wurde gef\u00e4llt und dem K\u00fcnstler zur Nachbearbeitung in sein Atelier gebracht. Nun ist er wieder zur\u00fcckgekehrt. Das Schild mit der Aufforderung Einfahrt verboten h\u00e4tte in diesem Fall \u201eEinwachsen verboten\u201c hei\u00dfen sollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So sind auch Verwachsungen, Einkerbungen, Schnitzspuren Wundmale, die den B\u00e4umen von Menschenhand zugef\u00fcgt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um einige Baumskulpturen von Schaudinnus zu nennen, sind \u201eDurchbohrt\u201c, (Weidenholz und Metall)\u201eBaumm\u00e4rtyrer mit<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stacheldraht\u201c, \u201eInnen und au\u00dfen\u201c, \u201eJanus der Zweigesichtige\u201c aufzulisten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem Baumm\u00e4rtyrer \u201eDer Schrei\u201c entstand eine Hommage an den norwegischen K\u00fcnstler Edvard Munch (1963 \u2013 1944). Seine expressionistische Arbeit, bestand aus vier fast identen Bildern, die sich nur in ihrer Farblichkeit unterschieden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Schrei ist 1893 entstanden. Munch f\u00fchlte damals das Geschrei der Natur, das belegt eine seiner Tagebuchaufzeichnungen. Das Bild dr\u00fcckt lautloses Entsetzen aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Motiv ist in seiner Aktualit\u00e4t un\u00fcbertroffen. Es wurde von Bernd Schaudinnus als Baumskulptur aus Zwetschkenholz ausgef\u00fchrt. Bei der Nachbearbeitung hat er dem Baumstrunk eine Bleimaske \u00fcbergest\u00fclpt, die einen wortlosen Schrei ausst\u00f6\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ver\u00e4nderung der Natur ist in den letzten 50 Jahren allgegenw\u00e4rtig, die Zerst\u00f6rung kaum mehr aufzuhalten. Das spricht aus diesem Baumm\u00e4rtyrer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiteres bekennendes Zeugnis legt die Baumskulptur \u201eCyrill 2\u201c( aus Fichtenholz) ab. Das blieb \u00fcbrig vom gro\u00dfen Sturm 2007, der B\u00e4ume wie Halme knicken lie\u00df, Baumst\u00e4mme zu Sp\u00e4nen machte .<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Holz als urspr\u00fcngliches Tr\u00e4germaterial<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Holz ist urspr\u00fcnglich, nat\u00fcrlich und unberechenbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch einen oftmals geringen Bearbeitungsgrad wird das Holz bei Schaudinnus nicht denaturiert, wie z.B. Sperrholz. Er bearbeitet den urspr\u00fcnglichen Werkstoff, den B\u00e4ume liefern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Holz ist ein Grundstoff der menschlichen Kulturt\u00e4tigkeit. (neben Stein und Metall). Im christlichen Kulturkreis erhielt Holz als Material eine besondere Wertigkeit, weil Christus an ein h\u00f6lzernes Kreuz genagelt wurde. Lateinisch bedeutet Holz \u201elignum\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit den 1960er Jahren wird \u00f6kologisch ausgerichtete Kunst wieder zum Thema. Joseph Beuys (1921 \u20131986 )hat den Baum als Pflanze zur\u00fcck in das Kunstbewusstsein geholt, in seinem abget\u00f6teten und zu heilenden Zustand. Mit seinem Landschaftskunstwerk \u201e7000 Eichen\u201c, das 1982 auf der documenta 7 vorgestellt wurde. Auch Beuys, der als K\u00fcnstler, Schamane und Umweltsch\u00fctzer wollte den Menschen den Baum als wichtiges Regenerationsmittel wieder n\u00e4her bringen. 1982 pflanzte er den ersten Baum, nach seinem Tod 1987 pflanzte sein Sohn den letzten Baum dieser Aktion. Wurde doch dem Ursprung des Holzes, bei der Skulptur der Moderne keine Beachtung mehr geschenkt. Schaudinnus wurde in den Schamanismus durch Hyemeyohsts Storm initiiert. Auch er ist ein sehender Bewahrer und Wanderer durch die Welten. B\u00e4ume sind f\u00fcr ihn, Begleiter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schaudinnus w\u00fcrdigt, als gelernter Holzbildhauer den Werkstoff Holz, sonst gilt Holz meist als geringwertiger Werkstoff. F\u00fcr den deutschen Bildhauer Ernst Barlach (1870 \u2013 1938)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">war Holz nach seiner Russlandreise das bevorzugte Tr\u00e4germaterial. Barlach wurde von der mittelalterlichen Holzbildhauerei inspiriert. Seine Skulpturen zeichneten sich durch Monumentalit\u00e4t und seinen expressiven Stil aus. Bei Barlach stand der Mensch in all seinen Gef\u00fchlsregungen als Medium Pate.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Protagonisten von Schaudinnus sind B\u00e4ume, verholzte Pflanzen. Sie waren vor der k\u00fcnstlerischen Umgestaltung bereits lebende Organismen, n\u00e4mlich B\u00e4ume, die f\u00fcr uns Menschen lebensnotwendig sind, wie sie uns vor der Hitze und der UV-Strahlung sch\u00fctzen, sollte der Mensch ihnen den Schutz gew\u00e4hren, ein Baumsch\u00fctzer und nicht Baum-Zerst\u00f6rer sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Eisen als schmerzendes Werksmaterial<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als zus\u00e4tzliches Werksmaterial kommt bei Schaudinnus Draht zum Einsatz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Holz kommt das Metall, hier sind Eisen oder Kupferdr\u00e4hte gemeint.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stacheldr\u00e4hte f\u00fcgen Verletzungen zu. F\u00fcr die Herstellung dieser Schmerzseile wurden Dr\u00e4hte miteinander verflochten und in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden Metallhaken und Drahtspitzen angebracht. Stacheldr\u00e4hte wurden immer schon dazu verwendet, um Tiere oder Menschen am Betreten von Grundst\u00fccken zu hindern. Sie zeigten immer ein neues Territorium an. Schon in der Antike wurde das harte Metall mit Gewalt in Verbindung gebracht. Stacheldraht kam zum Einsatz bei der Berliner Mauer, in Konzentrationslagern, Gef\u00e4ngnissen. Es ist nach wie vor ein Symbol f\u00fcr Unterdr\u00fcckung und Unfreiheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schaudinnus, der auch zum Kunsttherapeuten ausgebildet wurde, zeigt diese zur\u00fcckgelassenen und vergessenen Schmerzseile an seinen B\u00e4umen. Seinen Baumm\u00e4rtyrern wurde Gewalt zugef\u00fcgt. Sie haben Leid auf sich genommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Draht steht f\u00fcr die Verk\u00f6rperung des \u201eSchmerz zuf\u00fcgers\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entweder ist er bereits um den Baum gewickelt oder wird zus\u00e4tzlich vom K\u00fcnstler als Schmerzadditiv verwendet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Rost, der aufgrund der Verwitterung eingesetzt hat verleiht den Dr\u00e4hten aus rostigen Eisen seinen archaischen Charakter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um mit Bettina von Arnim zu sprechen,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eKunst ist Beseelung des Stoffes\u201c (Bettina von Arnim 1785 \u2013 1859),<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bernd Schaudinnus hat seinen Baumm\u00e4rtyrern durch seine Aufmerksamkeit, Hingabe und Empathie wieder eine Seele eingehaucht. Sie zu stummen Zeitzeugen gemacht, die auf dem k\u00fcnstlerischen Weg ein Umdenken bewirken sollen. Werden Sie in seinem Sinne zu Bekennern des Umweltgedankens und zu Bewahrern der geschundenen Natur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verena Nussbaumer, 2014<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Rezension von Dr. Verena Nussbaumer Diese Rezension verfasste Dr. Verena Nussbaumer anl\u00e4sslich meiner Ausstellung \u201cBaumm\u00e4rtyrer\u201d am 5.9.2014. 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